Aphasie nach Schlaganfall: Was logopädische Therapie leisten kann

Ein Schlaganfall verändert von einem Moment auf den anderen das Leben – und betrifft bei vielen Menschen auch die Sprache. Eine Aphasie bedeutet nicht, dass das Denken eingeschränkt ist; die Worte finden nur schwer ihren Weg.
Was ist eine Aphasie?
Eine Aphasie ist eine erworbene Sprachstörung, die durch eine Schädigung der sprachdominanten Hirnhälfte entsteht – am häufigsten infolge eines Schlaganfalls. Betroffen sind alle sprachlichen Bereiche: Sprechen, Sprachverständnis, Lesen und Schreiben, in ganz unterschiedlicher Kombination und Ausprägung.
Ganz wichtig zu wissen: Eine Aphasie ist keine Störung der Intelligenz. Die Betroffenen wissen genau, was sie sagen möchten – nur der Zugriff auf die Sprache ist gestört. Diese Unterscheidung ist entscheidend für einen wertschätzenden Umgang mit Menschen mit Aphasie.
Welche Formen der Aphasie gibt es?
Je nach Ort und Ausmaß der Hirnschädigung unterscheidet man verschiedene Aphasie-Formen:
- Broca-Aphasie (motorische Aphasie): Das Sprechen ist mühsam und stockend, das Verständnis bleibt vergleichsweise gut erhalten.
- Wernicke-Aphasie (sensorische Aphasie): Flüssiges, aber inhaltlich verändertes Sprechen bei deutlich gestörtem Sprachverständnis.
- Amnestische Aphasie: Im Vordergrund stehen Wortfindungsstörungen bei sonst weitgehend flüssiger Sprache.
- Globale Aphasie: Schwerste Form mit starker Beeinträchtigung aller sprachlichen Bereiche.
Typische Symptome
Eine Aphasie zeigt sich sehr individuell. Häufige Anzeichen sind:
- Wortfindungsstörungen – das richtige Wort liegt „auf der Zunge“.
- Verwechslung von Lauten oder Wörtern (Paraphasien), etwa „Tisch“ statt „Stuhl“.
- Schwierigkeiten, Gesprochenes oder Geschriebenes zu verstehen.
- Probleme beim Lesen und Schreiben.
- Im schweren Fall der Verlust nahezu jeder sprachlichen Äußerung.
Ursachen einer Aphasie
Mit Abstand häufigste Ursache ist der Schlaganfall: Etwa 15 bis 30 Prozent der Betroffenen entwickeln eine Aphasie. Weitere Auslöser sind Schädel-Hirn-Traumata, Hirnblutungen, Hirntumore oder entzündliche Erkrankungen des Gehirns. Bei fortschreitenden Erkrankungen kann sich zudem eine primär progrediente Aphasie entwickeln.
Warum der frühe Therapiebeginn entscheidend ist
Direkt nach einer Hirnschädigung ist das Gehirn besonders anpassungsfähig (Neuroplastizität). Diese Phase nutzt die logopädische Therapie, die idealerweise schon in der Akut- und Frührehabilitation beginnt. Doch auch Monate oder Jahre später lassen sich Kommunikationsfähigkeiten noch spürbar verbessern – Aphasietherapie lohnt sich in jeder Phase.
Bedenken sollte man auch: In der Akutphase eines Schlaganfalls entwickeln rund 50 Prozent der Betroffenen zusätzlich eine Schluckstörung (Dysphagie). Eine begleitende Schluckdiagnostik ist daher oft sinnvoll.
Wie sieht die logopädische Aphasietherapie aus?
In der Therapie aktivieren und festigen wir sprachliche Fähigkeiten gezielt, intensiv und alltagsnah. Geübt wird, was im echten Leben gebraucht wird – vom Einkaufsgespräch bis zum Telefonat. Methoden reichen von strukturierten Sprachübungen über alltagsorientierte Kommunikationsstrategien bis zum Einsatz unterstützter Kommunikation. Ein zentraler Baustein ist die Beratung der Angehörigen, denn gelingende Kommunikation ist immer Teamarbeit.
Wie Angehörige Menschen mit Aphasie unterstützen können
Angehörige sind die wichtigsten Gesprächspartner – ihr Verhalten beeinflusst den Therapieerfolg maßgeblich. Diese Strategien erleichtern die Kommunikation:
- in kurzen, einfachen Sätzen sprechen und nur ein Thema auf einmal ansprechen
- ausreichend Zeit zum Antworten geben und nicht unterbrechen
- Gestik, Mimik, Zeigen und Aufschreiben als Verständigungshilfen zulassen
- geschlossene Ja-/Nein-Fragen stellen, wenn das Sprechen schwerfällt
- die betroffene Person als erwachsenen Gesprächspartner ernst nehmen – nicht „über ihren Kopf hinweg“ reden
Aphasietherapie im Harz – Logopädie in Wernigerode & Quedlinburg
Sie oder ein Angehöriger sind nach einem Schlaganfall von einer Aphasie betroffen? In unserer Praxis in Wernigerode und Quedlinburg begleiten wir Sie mit neurologisch erfahrener Logopädie – auf Wunsch auch als Hausbesuch in der Region. Mit einer ärztlichen Heilmittelverordnung vereinbaren Sie schnell einen Termin. Wir sind für Sie da.
Fragen zu Ihrer Therapie?
Wir beraten Sie gern persönlich – in Wernigerode oder Quedlinburg.



